Gedankenblitze

3.3.17

Multikulti-Mädels-Brunch vor ein paar Tagen

Es geht um den gemeinsamen Beruf, um Kindererziehung, um Urlaubspläne und um Gärten – der Frühling ist zum Greifen nah.

Das Gespräch kommt auf Schnecken.

Nacktschnecken. Und plötzlich gehen meine Gedanken auf Wanderschaft – in die Vergangenheit…

Meine Schwester taucht vor meinem inneren Auge auf, die vor fast acht Jahren so plötzlich starb, daß es keine Sekunde Zeit für Abschied gab.

Ich sehe uns beide in München in ihrem Garten stehen.
Schön wollte sie ihn haben und war mit mir und der typischen Freude und  Zufriedenheit, die man spürt, wenn einem etwas gut gelungen ist, zu ihren Beeten gegangen.

Doch wir fanden nur noch blattlose Stengel, angefressene Blüten, Schleimreste. Meiner gerade noch frohsinnigen Schwester, daran erinnere ich mich, trieb es Tränen der Wut in die Augen.

Dieses Blitzlicht aus unserer gemeinsamen Vergangenheit, diese kleine Szene läßt meine Gedanken noch ein Stück weiter abschweifen…

Erinnerungen an ihre unerfüllten Sehnsüchte schleichen an mein Herz und tun sich mit den eigenen ungelebten Träumen zusammen.

Und da wird mir klar, daß ich es nicht nur mir, sondern auch ihr schuldig bin, hinauszugehen und ein Talent, einen Traum, ein tiefes Bedürfnis zu leben und zu zeigen.

❤️

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25.5.17
Das verlängerte Wochenende zum „Vatertag“ 2017 war für eine Freundin und mich Anlass für eine kleine Zeitreise in ihre Kindheit. Bei schönstem Reisewetter, gestärkt mit Croissants und Kaffee, ging es am zeitigen Donnerstagmorgen Richtung Landkreis Limburg-Weilburg. Ich war neugierig auf diese Reise in eine ‚fremde‘ Biographie…
Wir ließen uns Zeit mit der Anreise und nahmen nicht den direkten Weg. Auch wenn ich alleine fahre meide ich manchmal die schnelle Fahrt über die Autobahn und geniesse es, abseits entschleunigter unterwegs zu sein. So freuten mich der Vorschlag, gemütlich nach Weilburg zu fahren, und die beiderseitige Offenheit für unerwartete Eindrücke.

Obwohl sie nur anderthalb Auto-Stunden von meinen bisherigen Wohnorten entfernt liegt, war ich bis dahin noch nie in dieser Region. Immer nur ‘drumherum 😉
Dabei ist diese liebliche, hügelige, grüne, bewaldete Gegend ideal für eine kleine Auszeit zwischendurch. Man merkt, daß das Rheinland nah, aber doch schon fern genug ist. Mich faszinieren diese sanften regionalen Übergänge und deren Manifestation in Dialekten, Bauweisen, gastronomischen Besonderheiten immer wieder.

In den Zusammenhang fällt meine Beobachtung, wie unterschiedlich die einzelnen Städte und Dörfer mit ihrer Präsenz umgehen. Die unterschiedlichen Atmosphären – mal selbstverständlich und alltäglich, mal trotz hübscher Fassade dem Touristenstrom nicht zugeneigt.

Meistens aber freundlich herausgeputzt, mit viel Liebe zum Detail. Viele Gemeinden, so hatte ich den Eindruck, bieten den modernen Zeiten der nahen outlet-center selbstbewußt die Stirn – und die vielen Touristen, die sich, wie wir, die Zeit und den Genuß gönnen, diese Orte zu durchstöbern, geben ihnen anscheinend Recht.

Eine besondere Erfahrung ist es, mit jemandem zu reisen, der sich dort auskennt, der zeigt, was sonst unentdeckt und ungespürt bliebe. In dieser Art der Begleitung verquicken sich geografische und ganz persönliche Geschichte. So kann es schnell geschehen, durch konkrete Umgebung, aber auch durch Gerüche, Geräusche, Lichtspiele in Erinnerungen mitgenommen zu werden und sich, womöglich plötzlich, in ‘alten’ Familienstrukturen und -systemen wiederzufinden – in den eigenen oder, wie ein Zuschauer, in denen des Anderen.

Es braucht Vertrauen, sich so zu öffnen. Und es kann auf solcher Basis für beide spannend sein, einzutauchen, und einer Atmosphäre, einer Situation, einem Gespräch aus der Vergangenheit nachzuspüren.
Diese Art zu reisen hat einen ganz eigenen Zauber und schafft eine ganz eigene Erfahrung von Nähe und Verbindung.